Mittwoch 26. November 2008 von Matti
Ein Teil unserer Gesellschaft hat eine gewisse Resistenz gegen das Weihnachtsfest entwickelt. Der Geruch von Glühwein, wird von diesen Menschen genau so wenig wahr genommen, wie die Lebkuchen, Spekulatien und Schokoweihnachtsmänner beim Lebensmitteldiskounter. Dennoch merken diese Menschen jahrein jahraus, das die Zeit der gelebten Heuchelei wieder vor der Tür steht.
Nein es sind nicht die geschmückten Tannenbäume oder die Lichterketten die diese Aufmerksamkeit erregen. Im Gegenteil, denn mit ein bißchen Übung lassen sich auch diese Faktoren in der Wahrnehmung einfach ausblenden.
Doch ein sicheres Indiz nimmt jeder noch so geschulte und gedrillte Weihnachtshasser wahr. Bei mir fing es vor ein paar Tagen in meinem Handyportal an. Dort trat dieses Anzeichen als erstes auf. Als nächstes sah ich es im Fernsehen. Aber heute kommt ich es nicht mehr umgehen.
Im Hauptbahnhof Bremen, den ich täglich nutze. An der Stelle wo es vor 2 Wochen noch ein Probeabo der Zeit gab und wo es letzt Woche die neueste Ausgabe des “Spambuches der Adresswirtschaft” (Das Örtliche) gab, wurde ich heute angesprochen ob ich nicht 2 Minuten Zeit hätte.
In meinen Gedanken packte ich schon das Plakt aus, welches mir virtuell die Auswege aufzeigt. Wenn es um Tiere geht, dann sage Du machst es lieber für Kinder. Wenn es um Kinder geht, dann oute Dich als Tierfreund.
Es ging natürlich um Kinder. Aber diesesmal holte ich zum Plan B aus. Nein diesmal würde ich keine Tierliebe vorspielen. Diesesmal würd ich so zuschlagen, das es schon richtig wehtut. Also lies ich die Stmme, die mich ansprah und mich um 2 Minuten meiner Zeit bat erzählen.
“Es geht um Kinder, die im Rollstuhl sitzen.” – okay, dieses mal leiden die Kinder also kein Hunger… sondern sie sind in Ihrer Bewegung eingeschränkt. Welch gemeiner Plan. Immer wieder zaubern diese Menschen etwas neues aus Ihrem Hut um an mein wohl verdientes Geld zu kommen.
“Denken sie doch dran wie traurig gerade diese Kinder sind, wenn die anderen nach der Bescherung Schlitten fahren und diese armen Wesen im Rollstuhl sitzen” – Also erstens ist die wahrscheinlichkeit, das es in unseren Breitengraden ausgerechnet am heiligen Abend schneit sehr gering. Und zweitens ist es für die Betroffenen wahrscheinlich genau so deprimierend, als wenn es am 25. Juni schneien würde und sie dann auch nicht Schlitten fahren könnten.”
“Und diese armen Kinder brauchen unsere Unterstützung” – Na endlich kommt das Baby zur Sache. Nun stellt sich gleich herraus wie viel Geld die mir abnehmen möchten.
“Junge Dame, es tut mir leid aber ich muss sie unterbrechen. Denn erstens sind ihre 2 Minuten seit gut 15 Sekunden rum. Zweitens würde ich als ehemaliges Mitglied des roten Kreuz sicher den Malthesern keinen Cent geben. (Besonders weil man Maltheser besser trinken kann) und drittens fährt in 2 Minuten mein IC nach Hause und ich hoffe, das ich einem Menschen einen “Spendenaufruffreien” Feierabend damit ermöglicht habe, in dem ich 2 Minuten und nunmehr 30 Sekunden Ihrer kostbaren Zeit in Anspruch genommen habe”
Und damit ist auch das Rätsel gelößt, woran ein jeder Weihnachtshasser merkt, das Weihnachten ist. Es ist diese elendige Spendensammlerei. Egal ob im TV (RTL Spendenmarathon (mit Absicht nicht verlinkt)) oder im Radio (ffn Hörer helfen Kinder) oder halt am Bahnhof, in den Fussgängerzones, nein eigentlich überall lauern sie und wollen nur dein Bestes: Dein Geld.
Liebe gemeinnützigen Oranisationen. Ich möchte an dieser Stelle Euch einen kleinen Tipp geben, wenn ihr mich vor Weihnachten nicht so penetrant nerven würdet, dann würde ich im März oder gerne auch im August einen kleinen Teil meines Einkommens zur Verfügung stellen. Aber so mit sicherheit nicht.