Werbestrategie mal anders

Mittwoch 14. Januar 2009 von Matti

Was haben die Firemen Tchibo und Esso gemeinsam? Nun wie jeder größere Konzern haben diese beiden Unternehmen etwas Dreck am Stecken. Zumindest wird Ihnen dieses unterstellt. Esso wollte damals eine Ölplattform versenken und gilt bei vielen Autofahrern als Mitschuldiger am hohen Benzinpreis. Tchibo soll auf den Plantagen die armen Arbeiter ausbeuten und auch beim Kleidungsangebot soll nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sein. Es wird also mal wieder Zeit für positive Schlagzeilen zu sorgen.

Aber wie soll dieses Ziel erreicht werden. Ganz einfach. Es wird ein Skandal provoziert. Man nimmt einen Werbeslogan der politisch vorbelastet ist, wie zum Beispiel “Jedem den Seinen”. Ein Slogan der Jahrtausendelang positiv bewertet wurde, bis er mißbraucht wurde von den Nazis. Aber wie produziert man damit gute Nachrichten. Nun in dem man auf diese Kampange verzichtet und sich für diesen Fehler entschuldigt und den ganz schwarzen Peter weit von sich weißt. Tchibo ist schuld. Esso ist schuld. Nein die Werbeagentur hat Bockmist gebaut.

Der Zentralerat schimpft und die beiden Unternehmen stoppen alles. Und schon haben die Firmen ein halbwegs positives Image. Denn sie haben den Fehler ja erkannt. Und mit dieser Aktion landet man dann bei den üblichen verdächtigen Zeitungen, Magazinen und anderen Medien, welche die beiden Firmen, dann doch eher in das Licht der dummen, aber doch einsichtigen Firmen und somit in ein positives Licht stellen.

An dieser Stelle Applaus an die Werbeagentur, wenn es so geplant war, dann ist der Streich aufgegangen. Da hilft es auch nicht, wenn Nokia, Rewe oder auch die Münchner Merkur-Bank schon in diese Falle getappt sind. Jeder darf doch mal einen Fehler machen oder?

Und genau das ist das Problem das ich mit dieser Meldung habe. In einer Zeit in der alles Abgemahnt wird, was nur ähnlich ist. Oder wo schon Buchstabenfarben als Markenschutz eingetragen werden, wird jede seriöse Werbeagentur sich absichern und bei einer Recherche hätte jeder Praktikant darauf kommen können, das dieser Spruch Ärgern einbringen wird. Und alleine das ist ein eindeutiges Zeichen, das es sich hierbei um Absicht handelt.

Egal ob Absicht oder nicht. Wichtig ist, das die Firmen in einem halbwegs guten Licht in den Medien erwähnt werden. Und Dummheit ist nunmal nicht strafbar sondern läßt die großen Unternehmen etwas Menschlich erscheinen.

Sollte es also Firmen oder auch Staatsunternehmen geben, die ein paar positive Nennungen in den Medien brauchen und die den Mut haben auch als “einfach dumm” angesehen werden, die sollten sich eine ähnliche Strategie ausdenken.

Die Bundesagentur für Arbeit könnte werben mit: “Arbeit macht frei”. Oder ein Schlüßelnotdienst, der mit dem Spruch: “Es gibt einen Weg zur Freiheit.”

Zugegeben die letzen beiden sind etwas übertrieben, also bleibt tatsächlich nur “Jedem das seine” über. Das der Zentralrat ein bißchen schmipft muss man halt hinnehmen. Aber so haben die Deutschen den Fehltritt von Nokia eher verziehen, als eine Werkschließung in Bochum, von der aber auch keiner mehr spricht.

Political incorectnes liegt also im Trend. Und wenn es schief geht, dann entschuldigt man sich und stampft das Werbematerial wieder ein. Und notfalls kann man sich ja immer noch damit rausreden, das die Feldjäger diesen Spruch ja auch verwenden. Zumindest sind die Firmen in aller Munde, egal ob Medien oder auch die diversen Blogs der Blogosphäre.

Und wer weiß, vielleicht hieß der Führerbunker ja auch in Nazideutsch Zentrale der Macht. Dann ist es eben so. Natürlich wollen auch wir niemenden verletzen. Schon gar nicht die Juden. Und es tut uns ja auch so leid, aber etwas nicht belastetes haben wir auf die Schnelle auch nicht gefunden. Wir sind halt nur dumm. Vergebt uns.

Dieser Beitrag wurde erstellt am Mittwoch 14. Januar 2009 um 23:17 und abgelegt unter ARGH, Deutschland, Werbung. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.

3 Kommentare über “Werbestrategie mal anders”

  1. Jedem den Seinen! « Der Kommentar schrieb:

    [...] Kommentare von Fact-Fiction, Heftklammer, RNZ, PI, Sajonara, TomBlog, K-Blog, Illu, Mammut, Macht und [...]

  2. Bin ich jetzt im Fernsehen? « 4Nubbels schrieb:

    [...] http://www.zentrale-der-macht.de/2009/01/14/werbestrategie-mal-anders/ [...]

  3. segebade.com | Nein nicht im Fernsehen… schrieb:

    [...] noch in einem weiteren Blog. Warum? Nun wenn sich einer so über einen Trackback der Zentrale freut, dann bekommt er doch noch einen von mir [...]

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