Eisbären, Jugendkriminalität, Ausländer, Big Brother, Koch und Co.

Sonntag 13. Januar 2008 von Matti

Wer die Überschrift liest, der wird sich fragen: Was haben die Begriffe miteinander zu tun? Ganz einfach. Das sind die ersten Themen des Jahres 2008. Und auch wenn es komisch klingt, die Themen hängen alle zusammen.

Fangen wir mit Big Brother an. Eine Sendung in der sich Menschen in den Container stecken lassen in der Hoffnung dadurch berühmt zu werden. Man kann den Einwohnern also durchaus vorwerfen sie würden unter Ruhmsucht leiden. Die eigene Fresse so oft wie es geht in die Kamera halten. Und wenn man sich im Container einen Namen macht, dann gibt es mit Sicherheit “Folge-Aufträge”. Entweder wird man nach einer gewissen Zeit bei 9live angestellt und darf sich vor das Flipchart stellen oder wenn das nicht klappt, dann kann man zur Not bei RTL anfragen ob die nicht ein Flugticket in den australischen Dschungel bezahlen.

Diese Ruhmsucht gibt es aber nicht nur in den Containern einer holländischen TV-Produktionsfirma, sondern sie fängt schon in den Vierteln der Großstädte an. In den “reichen” und “gutbürgerlichen” Vierteln ist es noch relativ leicht in die Lokalausgabe seiner Zeitung zu kommen. Papa spendet hier mal eine Million für einen guten Zweck und als “Danke schön” gibt es das Familienfoto in der Zeitung. Oder Rudi, das Zwergkaninchen bekommt einen Zuchtpreis vom Rasseverband. In den “sozial Schwachen” Stadtteilen wird es schon etwas schwieriger. Dort muss man kämpfen um Ruhm zu erhalten. Der erste Schritt ist, das man sich eine Gang aufbaut, die im Viertel das sagen hat oder halt angesehen ist. Wenn nun aber mehrere auf die Idee kommen, dann ist es bis zu einem Bandenkrieg nicht weit. Und schwupps steht man wieder in den Nachrichten. Nun ist es aber so, das Auftritte in den Medien fast immer den Charakter verderben, so das man immer einen Schritt weiter geht. Was zur Folge hat, das man auch ohne die Verfeindete Gang kriminell wird. Und da reicht es dann schon, wenn Opa Hübner einen in der U-Bahn bittet doch seine Musik leiser zu drehen. Zack gibts einen auf die Fresse und schwupp steht man wieder in der Zeitung.

Das dumme an dieser Situation ist, das es diesmal nicht nur ein Lokalreporter davon berichtet, sondern die gesamten Medienbranche, weil man diesmal sogar Bilder in guter Qualität hat, die sich auch im TV gut zeigen lassen. Und somit, hat man das geschafft, was man erreichen wollte, nämlich, das man im TV zu sehen war. Und das ganze ohne diesen Castingmüll und ohne das man sich in einen Container mit anderen Mediengeilen einsperren lassen muss.

Apropos Mediengeil. Die Ruhmsucht befällt nicht nur die Unterschicht. Nein sie macht auch vor unseren Führungspersönlichkeiten nicht halt. Und weil die beiden Menschen die in der U-Bahn den Opa Hübner vertrimmt haben, nun zufällig Jugendliche mit Migrantenhintergrund sind, hat einer unserer Politiker die Idee seines Lebens.

Und wieder einmal mehr tritt er mit der Forderung: “Ausländer raus!” auf den Plan. Ja genau es geht um Roland Koch, den hessischen Ministerpräsidenten. In Hessen steht nämlich die Wahl kurz vor der Tür und es fehlte bisher an einem Wahlkampf-Thema. Dieses scheint nun gefunden, auch wenn die Münchner U-Bahn nicht in Hessen liegt. Aber es bietet sich alleine deswegen an, weil Hessen in der Kriminalstatistik ziemlich weit hinten liegt. Was natürlich gar nichts damit zu tun hat, das Koch die Gelder für den Jugendvollzug und die Sozialarbeit drastisch gekürzt hat. Nein die ausländischen Jugendlichen sind einfach böser, brutaler und gemeiner geworden. Obwohl jede Statistik die einen halbwegs seriösen Eindruck macht das Gegenteil behauptet. Aber so ist man zumindest in den Medien vertreten und wenn man schon eigentlich nichts mehr zu gewinnen hat, dann geht man halt in einem riesen Mediengewitter unter. Auch wenn man die Unterstützung der größten deutschen Papierverschwendung hat.

Also auch hier geht es um Ruhm. Und es geht noch weiter. Was machen zum Beispiel Eltern, die es nicht zu Ruhm gebracht haben, sondern die einfach nur zu blöd waren anständig zu verhüten? Richtig, sie versuchen krampfhaft Ihr Kind zu Ruhm zu bringen. Castings für Brei- oder Windelwerbung gibt es ja ausreichend. Und man hat schon von Agenturen gehört die aus der Ruhmsucht mancher Eltern Gewinn schlagen wollen.

Nun soll es aber auch Eltern geben, denen Ruhm scheißegal ist. So gibt es im Nürnberger Zoo 2 Eisbären, die in den letzten Tagen insgesamt 3 Eisbärenkinder zur Welt gebracht haben, aber wohl keine Lust auf den plötzlichen Ruhm hatten. Wir alle haben ja gesehen was aus Knut geworden ist. Eine Touristenattraktion mit einem sehr hohen Nervwert. Und auch Lars der Eisbär ist bei vielen eher nervig als süß.

Nun das grauenvolle Schicksal ein Star zu sein wollten die Eisbärmamas umgehen. Sie wollten es nicht verantworten, das Ihr kleinen am Ruhm kaputt gehen. Und außerdem gehöre Eisbären, wenn sie mal nicht mehr so bekannt sind und Geldprobleme haben nicht in den australischen Dschungel. Deswegen wurde, wie es in der Natur üblich ist kurzer Prozess gemacht. Die eine Mutter hat Ihre Kinder aufgefressen und die andere hat Ihre kleines einfach weggetragen, nachdem wohl eine Kamera zu nahe an das kleine Bärchen rangekommen ist.

Und was ist der Dank dafür das die Eisbärenmütter sich um das Wohl Ihrer Kinder kümmern wollten? Da kommt das Eisbärenjugendamt (Zoopfleger aus Nürnberg) und nehmen der Mutter das Kind einfach weg. Ist es da noch ein Wunder das Kinder in Deutschland vernachlöäßigt werden? Wenn man denen was gute tun will, hat man Streß mit dem Jugendamt. Und alles nur wegen des Ruhmes unserer Medialen Welt.

Was lernen wir nun aus der Geschichte:

1. Verbietet die Medien. Blogs können viel Sachlicher berichten.

2.  Eisbären sind schlauer als wir.

3. Ruhmsüchtige Menschen (wie zum Beispiel der Koch) sollte man in Container einsperren, man würde der Menschheit viel gutes tun.

4. Zoologische Gärten sind doof und gehören geschlossen.

Dieser Beitrag wurde erstellt am Sonntag 13. Januar 2008 um 18:29 und abgelegt unter ARGH, Deutschland, Medien. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.

Ein Kommentar über “Eisbären, Jugendkriminalität, Ausländer, Big Brother, Koch und Co.”

  1. Suriel schrieb:

    Wundervoll, ich hätte es nicht besser schreiben können!

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